|
Der Stil von Esther Roth entwickelt sich langsam
aber stetig von einer plakativen, gestischen Malerei hin zu einem
von Ruhe und Regelmässigkeit geprägten Ausdruck.
Die zum Teil in Öl gekratzten
Arbeiten auf grosszügigen Leinwänden überraschen
durch ihre Einfachheit: Strich reiht sich an Strich, Punkt an Punkt.
Die zur Seite gepflügte Ölfarbe ruft auf der grossen Fläche
eine unverwechselbar schillernde Wirkung hervor. Immer und immer
wieder die gleiche Bewegung, oft im Rhythmus des Atems gearbeitet.
So entstehen Bilder wie "Atemzüge", "Alltage". Die tausendfach
wiederholten Bewegungen strahlen Ruhe aus, Bedächtigkeit.
Die Bilder sind bestechend einfach und deutlich
und vermitteln Kunst, die keine rationalen Erklärungen benötigt.
Sie teilt mit, direkt, aus der Leidenschaft heraus, aus der sie
entstanden ist.
Gleich einem Rückzug der Sinne in die
Einfachheit der sich wiederholenden Bewegungen beschreibt Esther
Roth ihre Arbeit. Das Geräusch des Kratzens auf der Leinwand
- die immer gleiche Bewegung. Der Geist wird ruhig, Gedanken verschwinden
mehr und mehr, sie bleiben im besten Fall beim soeben gezogenen
Strich.
Die Wiederholung: was macht sie so faszinierend?
Ein Abbild des Lebens: ein Tag reiht sich an den andern, eine Nacht
an die andere. Atemzüge - unzählige: flache, tiefe, schnelle,
langsame, glückliche, verzweifelte .... Das Leben ist voller
Wiederholungen von Alltäglichem: kleine Abweichungen nur unterscheiden
die einen von den andern.
Ruhe kehrt ein. Zarte, leise Schimmer im
Spiel des Lichts beleben die Leinwand jetzt.
Text: lic. phil. Gabriela Ronkainen
|